Diese blauschimmernden schwarzen Federn an seinem Schwanz

Diese blauschimmernden schwarzen Federn an seinem Schwanz…hat ein Gockel einen Schwanz? Federschmuck eher, wippt beim Gehen? Zur Zierde gebogen, Schmuck, Anziehung für die Hennen. Wie er ein paar schnelle Schritte hinter dem Huhn her macht, einen Augenblick sich streckt, eine kleine Drohung, wie wir, wir Menschen das auch machen, zwei Schritte und es ist klar, die da vorne flieht auch ein paar Schritte und protestiert, Entrüstung in meinen Ohren, P1070104Zurechtweisung, nein jetzt will ich nicht. Die Gesten, die Geräusche die sie machen. Wie sie geschäftig am Boden die Körner zusammen picken. Sie reden, ganze kleine Sätze, Satzmelodien, die ich irgendwie interpretieren könnte, Kommentare, kleine Ausrufe des Entzückens vielleicht, wenn sie daher rennen auf ihren mageren beschuppten Beinen.

Der Tier Philosoph Markus wild, ein junger Mann, so alt wie mein Sohn, Professor für theoretische Philosophie an der Universität Basel , sieht gut aus, von Berufes wegen geadelt durch ein Doktorat und den Titel, sagt was ich eigentlich schon lange denke, vielleicht, ich weiss es nicht mehr so genau, auch in einer meiner Kolumnen mal geschrieben habe. Jetzt, wenn er es sagt, wenn er schön betitelte Forschungsprogramme benennt mit Thema: Haben Tiere Geist? Können Tiere denken? Er spricht am Radio davon, dass er keinen Fisch mehr isst. Fleisch ohnehin schon lange nicht mehr, weil, so formuliere ich es jetzt, so habe ich es verstanden, er weiss, annimmt, beobachtet hat, dass Fische Strategien verfolgen können, dass sie überlegen und kommunizieren. Dass auch sie empfindsame Wesen sind. Er hat verzichtet, eine neue Genussquelle entdeckt, in einer neuen Esskultur, einer wie sie etwa in Gesellschaften wie in Indien seit jeher bestehen. Dort werden Kühe nicht getötet. Jedenfalls ist das so Sitte nach alter Tradition. Aber weil es eine gute Tat sein soll, Vögel frei zu lassen, werden sie erst gefangen, vor den Tempeln zum Freilassen verkauft, damit sich der Gläubige einen Verdienst fürs Leben nach dem Tode erringen kann.

 

Tiere.

Ich kann unter meinen Bekannten, vor allem wenn es Intellektuelle sind, (was sind das eigentlich für welche, die Intellektuellen. Leute die denken? Oder die alles lesen was gerade in Mode ist und sich darüber gescheit unterhalten, weil das ihrem Prestige dient? Oder sind es die, die versuchen, die Welt zu verstehen, das was sie sehen wirklich anzusehen, das was sie fühlen und fürchten und geniessen, wirklich zu erkennen, die Hintergründe, die Gründe, die ganz gewöhnlichen Dinge, die man kaum mehr beachtet zu verstehen. Die blauschimmernden schwarzen gebogenen im Wind gar wippenden, bei den Bewegungen elegant fliessenden Federn des Gockels. Mein Gockel, von dem ich erst meinte, es wäre ein Huhn, und da war er dann plötzlich, hochaufgerichtet, der Kehllappen rot, die Brust geschwellt, er übte den Hahnenschrei, der erst noch heiser klang, aber die Hormone, das Testosteron hatte ihn über Nacht verwandelt. Verhielt sich, wie seine Männlichkeit ihm gebot. Weiss er was da in ihm vor sich geht? Fühlt er Stolz, Vergnügen, Ärger? Ich schliesse aus dem, was ich sehe, an der Art, wie er sich bewegt, Schliesse darauf was sich tut, in eingeschlossen in seinem Hirn, seinem Vogelhirn. Erst jetzt weiss ich, dass man diese kleinen Hirne, auch die eines Kolibris, eines Zaunkönigs, nicht unterschätzen darf. Weil die Säugetiere, wie ich eins bin, sich so lange schon weit entfernt haben am Baum am Strauch der Evolution von den andern, den Vögeln, den Erben der Saurier, denken wir, sie dächten nichts. Aber meine Hennen gackern laut, am Teich steht ein Fuchs und trinkt, kein Glanz im Fell. Steht da am helllichten Tag. Der Feind für sie, ich verstehe das Geschrei, die Hühnerworte muss ich nicht verstehen, seit Millionen von Jahren sind wir getrennt, aber die Diktion, die Geste der Töne ist verständlich für mich, so wie ich verstehe, wenn der Hahn irgendwo zwischen dem morschen Holz der alten Baumstrunks eine Leckerei entdeckt, eine Assel, Samen vielleicht , ich verstehe es, wenn er dann die Hennen herbei ruft, ihnen berichtet von seinem Fund.