Der Frosch, …

…, das Zebra, die Wespe …. und die Krähe mit einer Schildkröte im Schnabel

Schrecklich schrie er, der Frosch, zappelte mit den Vorderbeinen, seine Hinterbeine schon im Rachen der Ringelnatter. Im Donaudelta in einem verwunschenen Teil; mit kleinen Booten fuhren wir durch die stille romantische Schilflandschaft. Die Pelikane, die Silberreiher, die glitzernden Fische. Daran erinnere ich mich nur so pauschal, ein verblasstes Bilderbuch. Schließlich ist das fast zwanzig Jahre her. Aber den Frosch, sein Schreien, das  werde ich nie vergessen. Ein Laubfrosch und eine Ringelnatter. Für beide, so selten geworden in Mitteleuropa, spende ich, um sie zu schützen.

Auch unvergesslich sicher für mich, das Bild von der Exkursion im letzten November in  Tansania: Der tote Zebrahengst gleich neben dem Jeep und neben ihm eine erschöpfte IMG_7633Löwin, und auf der andern Seite 10 Meter weiter im Schatten unter dem Baum, zwei weitere Löwinnen. Alle drei hechelten in der Hitze, bewegten sich nicht. Die Jagd war offenbar hart und mühsam gewesen, vielleicht eine von vielen vergeblichen Versuchen, Nahrung für den Nachwuchs zu beschaffen, doch endlich erfolgreich. Und jetzt mussten sie das Fleisch noch gegen all die andern Fleischdiebe verteidigen. Ich hatte Mitleid – eigentlich nicht mit dem toten Zebrahengst, sondern mit den drei erschöpften Löwinnen.

Heute morgen die zappelnde Wespe im Spinnennetz. Immer wieder meine Bewunderung für die Kunst der Spinnen, die die glitzernden Netze frühmorgens emsig weben. Ein Kunstwerk, aber auch eine Falle für die Wildbienen, die immer wieder von den Bienenhotels wegfliegen um Pollen für ihren Nachwuchs zu holen. Beide sind für mich wunderbare Wesen. Seit ich weiss, wie kostbar der Faden ist, mit dem die Spinne arbeitet. Und wie viel das kleine Hirn der Bienen arbeitet, um Futter zu finden, sich zu orientieren, die ganze komplizierte Arbeit des Nestbaus für den Nachwuchs zu vollbringen – jedes Weibchen bei den Wildbienen zieht ja allein seine Jungen auf -. Ich zittere um die Bienen, aber zerstöre die Spinnennetze nicht. Beide sind mir wichtig. Sie gehören zum Reichtum der Natur.

Aber   das Bild vergesse ich nicht, und meine Wut, als die Krähe, die eine Kröte aus ihrem Versteck geklaubt hatte, mit ihr auf das Dach des Nachbarhauses flog. Etliche Jahre ist das her. Aber ihre verzweifelten Versuche zu fliehen, ihr Gezappel, als die Krähe sie Stück für Stück bei lebendigem Leib verzehrte, erinnert mich noch immer an meinen hilflosen Zorn. Eine meiner Erdkröten, die erst seit wenigen Jahren in meinem Gartenteich Hochzeit feierten! Auch dieses Jahr habe ich auf sie gewartet, die Hochzeitsgäste. Wenige waren es, ein einziges Weibchen und etliche Männchen, die sie dauernd belästigten. Gab das dennoch Nachwuchs? Doch vor ein paar Tagen habe ich befriedigt die winzigen schwarzen Kaulquappen bemerkt, die sich jetzt im Wasser tummeln.  Er geht doch weiter, dieser Zirkus von Leben und Tod, dieser Kampf um Nahrung und Fortpflanzung. Bei allen Lebewesen, bei Pflanzen, Tieren und Menschen. Keine Idylle gibt es da, erst recht nicht bei der einzigen Spezies, dem Homo Sapiens, der schon früh mehr wollte als nur das: Nahrung ja, aber auch Macht, Luxus, Besitz. Und damit Kriege anzettelte, Kulturen schuf, die neue Schönheit auf die Welt brachten. Und neue Zerstörung, und der die Gegensätze von Vernichtung und Leben noch verschärft, die überall herrschen.