Bubikopf und Putzturban

Textausschnitt aus „Bubikopf und Putzturban“ [S. 68]

In der Frühmesse bewegt sie nur die Lippen. Ihr ist schwindlig, der Schmerz im Magen nimmt zu. Sie presst die gefalteten Hände gegen den Leib. „Ich hasse dich“, sagt sie, und sie weiss nicht recht, wen sie damit meint, die andern Schülerinnen, die nicht teilen wollen, den Krieg das Leben überhaupt oder diesen Gott, zu dem sie beten muss, und den sie sich nicht vorstellen kann, der ein leeres Gesicht hat, ohne Augen und Mund, ein Nichts, das in der Höhe wohnt. Ihr ist so schlecht, dass sie aufsteht, sich über die Kniebank hinweg an den andern Schülerinnen vorbeidrückt. Der Lärm lässt die Lehrerin, die vorne steht, sich umdrehen, schweigend und bedeutungsvoll Alice einen Blick zuwerfen. Alice weiss, wenigstens verneigen muss sie sich vor dem Altar, einen Knicks machen und sich bekreuzigen. Sie versucht es, aber wie sie in die Knie geht, klappt sie zusammen und wälzt sich am Boden vor Schmerz. Dann verliert sie das Bewusstsein.

Putzturban 150

Bubikopf und Putzturban
213 Seiten, gebunden ISBN 978-3-905561.51.7