5. April 2016

Noch mehr als zwei Monate bis dahin. Aber ich denke schon angstvoll daran. Ich werde Ende Juni irgendwann Grossmutter. In diesem Land voller Gefahren.  Wo es jetzt auch diese schrecklichen Raubtiere gibt, die ja, so wussten das schon die Brüder Grimm, ausser Rotkäppchen auch Grossmütter fressen. Dabei faszinieren mich diese tollen wilden Tiere. Weil meine Hormone mich auch jetzt, im Alter, so empfänglich machen für starke Individuen??? Wie Männer mit Muskeln auch?  Auch wenn sie vielleicht nicht  so intelligent sind wie die anderen Männchen der Spezies Mensch, die, die tolle Kunst machen und spannende Bücher verfassen. Und die, die die Welt verändern mit ihren Erfindungen und Forschungen. (Wie wenn heutzutage in diesen Sparten nicht auch viele Frauen glänzen würden, wenigsten die paar, die die Pflicht zum Putzen, Nähen, Waschen und Babies hüten, zeitweise entfliehen können.

Mich faszinieren Wölfe, genau so wie Muskelmänner, wenn sie mir nicht zu nahe kommen. Und natürlich auch Wölflinnen, denn ohne sie geht es ja nicht, sie sind ja auch die Königinnen im Rudel.

Ich habe in meinem Leben die Nähe zu Wölfen immer wieder gesucht. Habe ihnen bei harschesten Minus-Temperaturen im Yellowstone Nationalpark beim Jagen zugesehen. Habe in Rumänien im Urwald ihre Sender-Signale gesucht. Und bin mit den zwei jungen Wölfen des Rudels – die anderen waren alles Hunde der Forscher – spazieren gegangen.

Immer hat mich ihre Intelligenz fasziniert, ihre vielfältige Kommunikation untereinander, die ausgeklügelte Arbeit im Team beim Jagen und die komplizierte soziale Ordnung in ihrer Familie.

Und dann hörte ich auch, wie die Natur, die Ökosysteme, von ihnen profitieren. Wie die ganze Natur wieder auflebte, nachdem man sie im Yellowstone wieder einsetzte und leben liess.

Ein faszinierender Film:  How Wolves Change Rivers

Dann aber war ich doch enttäuscht, als ich in der Rundschau die kurze Sequenz sah, die ein Kameramann im Graubünden aufgenommen hatte. Der Wolf ging am Strassenrand ruhig und fast langsam vor ihm her. Blieb dann kurz stehen, sah zurück, überlegte und verschwand dann in den Büschen am Strassenrand. Ich bin sicher, dass keine Grossmutter am Filmen war. sonst?!? Nun ja. Was denn, was? Ich glaube der Wolf dachte nicht an solche Beute, eher daran, ob da hinten im Wald vielleicht noch ein Rest der Rehkeule übrig sein könnte, die das Rudel heute Morgen nicht ganz aufgegessen hatte. Genau so wie ein Muskelmann zu hause im Kühlschrank nachschaut, ob doch noch etwas von dem grossen Weihnachts-Schinken übrig sein könnte.

Die Wölfe in der Schweiz, hoffe ich nun, sind heute so angepasst wie die Menschen hierzulande-  Immigranten, die sich gut integriert haben. Weil sie ja ursprünglich auch hierher gehört haben. Und, …ist das nur Zukunftsmusik??… halt doch wissen, dass all die blöden Schafe, die nicht davonrennen, von gefährlichen Hunden und Elektrozäunen geschützt werden und deshalb  unerreichbar für sie geworden sind.

Ich werde vielleicht meiner Enkelin doch die Geschichte vom Rotkäppchen erzählen. Als aktualisierte Sage, in der die armen Wölfe vor Angst zittern vor den Grossvätern mit Flinten und Schaufeln in unseren Bergen.