3. April 2016

Was dachte ich damals, als ich den Text zu meinem letzten, unveröffentlichten Buch begann (habe es lange liegen lassen, weil die Personen, die sich in das Bild eingeschlichen hatten – in das Foto, das ein japanischer Tourist im Zürcher Bahnhof unter dem Kunstwerk von Mario Merz macht – sich nicht mehr anstrengten in all diesen Jahren, in denen ich mit so viel anderem beschäftigt war-. )

In meinem Blickwinkel lag damals  das Jahr Zweitausend. Sah es vor mir wie eine Schranke, die die Welt übersteigen müsste, und ich auch – irgendwie als eine Zäsur in meinem Leben. Und jetzt da oben der Titel: Es sind fast 20 Jahre seither vergangen: All die Jahre mit all den einzelnen Tagen!

Keine Einzelheiten all dieser Daten, die abgeschnurrt sind, habe ich mehr im Kopf: Die grossen Ströme schon: Der Tod meines Partners, die Zeit seiner Krankheit, die wilden spannenden aber auch furchteinflössenden Eskapaden meines Sohnes, der, so sehe ich es jetzt, eine wilde aber erlebnisreiche Jugend hatte. Daten, Jahrestage, einzelne? Meine Geburtstage habe ich nie gefeiert. Auch die Runden schienen mir nur eine zufällige Folge dessen, dass wir hier im Westen im Dezimalsystem rechnen. Mein Kind bekam zum Beispiel an seinen offiziellen Geburtstagen auch nichts von mir (war ja schon zu viel von anderen Verwandten da) sondern irgendwann zwischendurch, wenn er sich etwas sehr wünschte, rechnete ich, wie alt er zufällig wurde … 6 Jahre 3 Monate und 4 Tage zum Beispiel…. und schenkte ihm das ersehnte Ding, um genau das zu feiern, dass er schon so lange am Leben war.

Diese Daten! Ich brauche nicht zu rechnen, was dieses heutige Datum mit meiner Lebenszeit zu tun hat. Dass ich jetzt älter bin als mein Partner war, als er starb (der mehr als ein Jahrzehnt vor mir auf die Welt gekommen ist)? Das sehe ich etwas betreten, wenn ich am Morgen in den Spiegel blicke. Aber das schiebe ich dann schnell weg. Eher beschäftigt mich dann manchmal, dass er einiges seither nicht erlebt hat.  Dass er nichts weiss vom 11.Sept 2001 und den Terrornachrichten seither, vom arabischen Frühling  bis zur Klimaveränderung, die wir schon spüren. Und über die ich damals mit ihm heftige Diskussionen führte (weil ich damals schon Wissenschaftler kannte, für die sie eine Tatsache war?) Ich könnte mich jetzt rechthaberisch mit meinen Argumenten behaupten. Dafür aber auch spannende Diskussionen mit ihm erleben, denn er war auch ein politisch denkender und interessierter Kopf. Und doch bin ich fast froh, dass er nicht alles weiss – von den Kriegen im nahen Osten und den Flüchtlingsströmen zum Beispiel.

Nur schade, dass er im  kommenden Juni 2016 seine Enkelin nicht begrüssen kann, auf die ich mich freue – trotz allem, was absehbar in ihrer Lebenszeit sich ereignen könnte.  Und deren Geburtsdatum mir sicher (wie das meines Sohnes, meiner Mutter etc.) für immer im Gedächtnis bleiben wird.