17. März 2016

Heute fliegen die ersten Mauerbienen um meine Bienenhotels herum. Nur Männchen, kleiner als die Weibchen, mit einer weissen Zeichnung auf der Stirn. Sie halten Ausschau nach den Weibchen, die erst nach ihnen schlüpfen. Sie haben ihnen die schützende Lehmwand durchstossen und den Weg frei gemacht. Sie haben in den Brutröhren zuvorderst den Winter überstanden, da, wo ihre Mutter das letzte unbefruchtete Ei gelegt hat.

So schnell geht das. Gestern noch habe ich dicke Handschuhe getragen und die gefütterten Stiefel. Gestern hab ich prüfend die Grashalme gemustert und wurde ungeduldig, weil sie kaum zu wachsen schienen. Und jetzt sind sie da, Insekten, von denen ich als Kind nichts wusste, weil sie mir niemand gezeigt hat. Obschon sie damals sicher noch viel zahlreicher waren, weil es Blumenwiesen gab, Wildnis, noch nicht gezähmt, überbaut und zu Tode geordnet. Weil die Zerstörung noch nicht so weit fortgeschritten war. Aber jetzt weiss ich von ihnen, habe wenigstens eine Ahnung davon, wie vielfältig sie sich zeigen. Diese Raffinesse, mit der jede Art ihren Nachwuchs betreut. Jetzt gibt es diese Wissenschaft, und die technischen Tools, die sie benutzt, um sie zu erforschen. Und wieder geschieht mir, was ich immer öfter erlebe: ein Fenster zu der Welt geht auf, die schon wieder ein Stück reicher wird. Die Wildbienen, diese Hunderten von Arten, ihre seltsamen, erstaunenswerten Strategien der Fortpflanzung. Die letzten Bilder die der Forscher, der sein Leben diesen Winzlingen gewidmet hat, am Schluss zeigte: wie die verschiedenen Arten schlafen: vom Kopfstand auf einem spitzen Blatt bis zum Unterschlupf zwischen Blütenblättern. Tief schlafen sie, zeigt sich, der Forscher kann sie vermessen und wägen und sie wachen nicht auf.

Ich dachte bis jetzt nicht daran, dass Insekten schlafen. wie wir? Diese Frage habe ich mir nie gestellt. Wie reich die Welt ist, zeigt uns heute die Wissenschaft. wie reich die Welt der Lebewesen, die nicht zu der einzigen Säugetierart gehören, die alles beherrscht und alles gefährdet, zu der auch ich gehöre.

Conrad Gessner, hat das vor 500 Jahren geahnt, hat den Grundstein dazu gelegt. Die ersten Bücher veröffentlicht, die diese Vielfalt erfassen sollten. Das Wissen darüber gesammelt , nicht mehr die Mythen und erfundenen Geschichten, mit denen man sich bis dahin begnügte. Er wird gefeiert in diesem Jahr. Der Naturforscher aus der Schweiz.