7. April 2016

Das wird anstrengend und kompliziert, denke ich wieder, wenn mir in den Sinn kommt, was Douglas Thomkins mal gesagt hat. Thomkins, der grosse Naturschützer, der mit seiner Frau Kristi etliche Nationalparks in Südamerika geschaffen hat und leider vor kurzem auf einem  Kayaktrip tödlich verunglückt ist.

Er hat so vieles gewagt (leider, dieser Trip war auch ein Wagnis) aber auch ausgelöst. Grosse Firmen hat er gegründet und zu Erfolg geführt, hohe Berge bestiegen und das Geld, das er und seine Frau verdient haben, dann nur der Natur gewidmet.

Ich habe viele Erinnerungen an ihn und an die Bücher die er mir geschickt hat. Mit denen er für die Schönheit der Welt warb und gegen ihre Zerstörung,  die Lust sie zu geniessen und ihre Empfindlichkeit. Als die Nachricht von seinem plötzlichen Tod kam, kamen auch noch die Nachrichten, dass eines seiner grossen Projekte auf bestem Weg ist. Denn in dem Park in Argentinien, in Ibèra, ist der erste Schritt dazu gelungen den König der Wildnis, der ausgerottet war, den Jaguar, wieder einzuführen. Jahrelang hatte sein Team daran gearbeitet und jetzt war das erste Zuchtpaar angelangt in dem Gebiet der grossen Sümpfe, wo ohne ihn das ökologische Gleichgewicht gestört ist.

Die Erinnerungen an diese Trips dort sind spektakulär, aber mir scheint das, – diese Aussage von ihm, eindrücklicher und fürs Leben bestimmender.

Wenn du  das Licht anzündest zum Beispiel, hatte er gesagt, so sollte Dir eigentlich bewusst sein, was alles dahinter steckt, woher es kommt, was es für einen Einfluss hat auf die Welt,  Bei allem! Und zeigte auf all die Gegenstände um uns herum.

Und so gibt es die Augenblicke, in denen ich mich drum bemühe. Der Laptop vor mir: Seltene Erden, Metall, silbrige Farbe, die schwarzen Tasten?  Die Kaffeemaschine, die ich anstellen möchte, der Kunststoff der durchsichtigen Mäppchen, das Papier darin, auf das ich Notizen machte. Es ist, wie wenn ich in eine endlose Tiefe schaue: Fabriken, Bagger, die die Erde aufwühlen, Maschinen, die die Bäume irgendwo in Sibirien „ernten“, die Millionen Lastwagen auf den Autobahnen, die riesigen Schiffe im Meer, und all die Menschen, die Tiere, die Folgen für sie…… ich kann es nicht, ich weiss  ja nichts, was ich eigentlich wissen sollte. Da sitze ich. Neben mir ein kleiner gelber Behälter mit Leim darin, ein hölzernes Schülerkästchen mit Bleistiften, die alte Lampe. _ Das Holz, woher, die gelbe Farbe im Kunststoff woraus gewonnen? Der Leim, aus was? Die Materialien dazu aus welchem Land? Gepflückt, beschafft, ausgegraben von wem?  Und der Kalender mit dem schönen Farbdruck mit einem Puma drauf. Farb-Druck! Papier! Unmöglich, all das zu wissen! Unbegreiflich! Die Welt, die mir plötzlich total fremd ist. Fremd wie die Arbeiter, die vor mehr als hundert Jahren die Terrasse meines Hauses da draussen, gebaut haben  Und das blaukarierte Taschentuch, das ich mir vorstelle, mit dem einer von ihnen sich den Schweiss von der Stirn wischte.